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"Suppression"-Effekte beim konditionalen Schließen: Der Einfluß von Wissen auf Denken

Als "Suppression"-Effekt wird ein von Byrne 1989 erstmals vorgestellter Inhaltseffekt beim schlußfolgernden Denken bezeichnet. Sie zeigte, daß sich das Antwortverhalten von Personen bei konditionalen Syllogismen durch die Einführung einer weiteren (aus ihrer Sicht logisch irrelevanten) konditionalen Prämisse systematisch verändert: Bei bestimmten inhaltlichen Einkleidungen der Aufgabe würden logisch korrekte Antworten unterdrückt. Dies wurde als Beleg dafür gewertet, daß logisches Denken nicht starr syntaktisch mittels Inferenzregeln erfolge, sondern gemäß der Theorie der mentalen Modelle die semantische Integration aller, auch irrelevanter Prämissen eine zentrale Rolle spiele. Unter welchen Umständen diese Integration mit welchem Resultat erfolgt, blieb aber unklar. Wir vertreten einen wissenspsychologischen Ansatz, gemäß dem Inhaltseffekte den Einfluß von Hintergrundwissen auf die Interpretation der Prämissen und Schlußfolgerungen widerspiegeln. Wenn man dieses Wissen spezifiziert, wird das Antwortverhalten gut vorhersagbar und Frage der Beurteilung der logischen Korrektheit der Antworten erscheint in einem neuen Licht. Die Byrne'schen Verhinderungs- und Erleichterungseffekte können dabei auf Wissen über die Notwendigkeit/Suffizienz von Bedingungen zurückgeführt werden, zentrales Bestimmungsstück von Wissen über Kausalzusammenhänge, aber auch vieler sozialer Regeln. In einer empirischen Studie belegen wir unsere Position und zeigen, daß die Phänomene weit allgemeiner sind, als bislang angenommen wurde. Scheinbar unlogische Antworten ergeben sich, wenn die vorgegebenen Prämissen nicht deckungsgleich mit dem inhaltlichen Wissen sind. Vor dem Hintergrund des Wissens sind aber auch diese Antworten als logisch korrekt zu beurteilen. Insgesamt sprechen die Befunde nicht gegen Schlußfolgern mit Inferenzregeln, sie zeigen etwas anders, nämlich daß Personen denkpsychologische Aufgaben vor dem Hintergrund ihres Wissens lösen.

 

Beller, S., Neth, H., & Spada, H. (1998). "Suppression"-Effekte beim konditionalen Schließen: Der Einfluß von Wissen auf Denken. In W. Hacker (Hrsg.), 41. Kongreß der Deutschen Gesellschaft für Psychologie, Abstracts. TU Dresden. Vortrag auf dem 41. Kongreß der Deutschen Gesellschaft für Psychologie in Dresden, Germany.

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hanz@neth.de; 12/2000